Der Lahn-Dill-Kreis vernetzt sein Gewerbe
Vorreiter mit Weitblick – eine Region organisiert ihren Glasfaserausbau selbst
Mit rund 254.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt der Lahn-Dill-Kreis im Herzen Hessens und verbindet 23 Städte und Gemeinden zwischen den Flüssen Lahn und Dill. Was den Kreis von vielen anderen Regionen unterscheidet, ist der Zeitpunkt seines Einstiegs in den Breitbandausbau: Bereits seit 2011 treibt die Interkommunale Arbeitsgemeinschaft Lahn-Dill-Breitband den Ausbau aktiv voran – Jahre bevor Gigabitförderung zum bundesweiten Standard wurde.
Grundlage war eine Kooperationsvereinbarung mit dem Land Hessen: Der Kreis baute zunächst eine passive Infrastruktur auf, die anschließend an Dienstleister zum Betrieb übergeben wurde. Zwischen 2014 und 2017 realisierten Kreis und Kommunen in sieben Ausbaugebieten höhere Datengeschwindigkeiten in Eigenregie.
Im Anschluss folgte eine weitere Etappe: Im Rahmen der Weiße-Flecken-Förderung des Bundes wurden alle bis dahin noch unterversorgte Haushalte auf mehr als 30 Mbit/s gebracht, alle Schulen und Kliniken im Kreisgebiet erhielten einen Glasfaseranschluss, zusätzlich wurden rund 700 Unternehmen direkt mit Glasfaser bis ins Haus versorgt. Der Bund stellte dafür Bundesmittel in Höhe von rd. 4,8 Mio. Euro zur Verfügung.
Diese frühen Jahre bildeten das Fundament, auf dem der Kreis heute aufbaut: ein belastbares Netz an Erfahrung, Verwaltungswissen und kommunaler Abstimmung, dass sich bei jedem weiteren Förderprojekt auszahlt.
- Ort: Lahn-Dill-Kreis, Hessen
- Gesamtfinanzierung: 28.851.425,00 €
Bundesförderung: 15.021.502,00 €
Landesförderung: 11.135.377,00 €
Kommunaler Eigenanteil: 2.694.546,00 € - Anschlüsse: 10.272 unterversorgte Gewerbeadressen
- Erschließung: ca. 953 km neue Glasfaser, 308 km neue Leerrohre, zusätzlich 355 km vorhandene Leerrohre genutzt
- Zuwendungsempfänger: Lahn-Dill-Kreis
Gigabitförderung im Lahn-Dill-Kreis
- Fünf Förderprojekte für den Infrastrukturausbau
- Bundesförderung (Gesamt): 110.399.506,00 €
- Anschlüsse (Gesamt): 42.326
Weitere Informationen: https://www.lahn-dill-breitband.de/
Den bislang größten Schritt markiert der Sonderaufruf Gewerbe- und Industriegebiete der Gigabitförderung des Bundes aus dem Jahr 2019. Hiermit erschließt der Lahn-Dill-Kreis 10.272 unterversorgte Gewerbeadressen – dort, wo private Netzbetreiber bislang nicht investiert haben.
Zu den Profiteuren zählen Betriebe aus Maschinenbau und Metallverarbeitung, Medizintechnik, Chemie und Technik, Zulieferer der Automobilindustrie ebenso wie Bäckereien, Apotheken, Einzelhändler, Restaurants, Hotels und Supermärkte. So unterschiedlich die Branchen, so ähnlich ist ihr Bedarf: leistungsfähige Anbindungen für Cloud-Anwendungen, E-Commerce und digitale Logistik.
Für den Ausbau werden rund 953 km Glasfaser sowie 308 km Leerrohre neu verlegt – zur Einordnung: Das entspricht ungefähr der Luftlinie von Wetzlar nach Marrakesch. Zusätzlich nutzt der Kreis 355 km bereits vorhandene Leerrohre und senkt damit die Kosten spürbar. Der Ausbau erfolgt in mehreren Clustern, abgestimmt mit den beteiligten Kommunen; der Abschluss ist bis Ende 2026 vorgesehen.
Prof. Dr. Kristina Sinemus (3.v.l.) übergab den Förderbescheid an Carsten Braun (4.v.l.). Dabei konnten sich alle Beteiligten ein Bild von der Glasfaserverlegung in Driedorf-Seilhofen machen. Foto: Lahn-Dill-Kreis
Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Tragende Säule des Projekts ist die enge Abstimmung zwischen dem Lahn-Dill-Kreis, seinen 23 Städten und Gemeinden sowie dem Land Hessen. Wichtige Impulse kamen auch aus der Wirtschaft selbst: Bei Abfragen von Institutionen wie der Industrie- und Handelskammer (IHK) forderten ansässige Unternehmen wiederholt einen schnelleren Netzausbau – ein deutliches Signal, dass digitale Infrastruktur längst als Standortfaktor wahrgenommen wird.
„Seit 2011 ist unsere Interkommunale Arbeitsgemeinschaft Lahn-Dill-Breitband unterwegs, um die Datengeschwindigkeiten in unserem Kreis zu verbessern. Sie wird getragen vom Kreis und seinen Städten und Gemeinden, die gemeinsam auch den FTTC-Ausbau von 2014 bis 2017 allein gestemmt haben.
Bei einem extrem starken Wirtschaftsstandort wie dem Lahn-Dill-Kreis konnte nicht gewartet werden, bis der Markt den Netzbau auch im ländlichen Raum anging. Deshalb waren wir dankbar, als der Bund 2015 seine Förderung aufbaute – seit 2016 sind wir mit im Boot.
Klar war für uns immer: Den Aufbau des Gigabitnetzes muss der Markt machen. Wir setzen Steuergelder nur dort ein, wo sich der Markt zurückhält – und das betrifft rund 30 Prozent der Adressen in unserem Kreis, die wir selbst bauen müssen. Mit der Hilfe von Bund und Land werden wir voraussichtlich bis 2030 Glasfaser in jedem Haus unseres Kreises haben.“
Carsten Braun, Landrat des Lahn-Dill-Kreises
Auch die regionale Wirtschaft selbst hat den Ausbau von Anfang an eingefordert und mitgetragen.
Für Burghard Loewe, damaliger Hauptgeschäftsführer der IHK Lahn-Dill war eine leistungsfähige Glasfaseranbindung ohne Alternative: Nur mit ihr blieben die Gewerbegebiete der Region im Standortwettbewerb konkurrenzfähig. Zugleich lobte er das Tempo, mit dem Kreis, Kommunen und IHK das Vorhaben gemeinsam auf den Weg gebracht hatten – ein Beleg dafür, wie viel kooperatives Handeln zwischen öffentlicher Hand und Wirtschaft bewirken kann.
Blick nach vorn: Zwei neue Förderprojekte treiben den Glasfaserausbau weiter
Auch über den Sonderaufruf Gewerbe- und Industriegebiete hinaus bleibt der Lahn-Dill-Kreis am Ball. Zwei weitere Projekte setzen die Erfolgsgeschichte fort:
- 2023: rund 32 Mio. Euro Bundesförderung– für den Anschluss von 11.025 Privatadressen, 2 Schulen, 2.190 Unternehmen und 34 weitere sozioökonomische Einrichtungen.
- 2024: rund 58,5 Mio. Euro Bundesförderung für den Anschluss von 11.876 Privatadressen, zwei Schulen, 1.107 Unternehmen sowie 16 weiteren sozioökonomischen Einrichtungen.
Glasfaserausbau als Standortfaktor
Der Lahn-Dill-Kreis investiert mit seinem geförderten Glasfaserausbau in eine Gigabitinfrastruktur, von der Betriebe, Beschäftigte und ganze Regionen profitieren. Mit einem leistungsfähigen Glasfasernetz wachsen die Chancen für Digitalisierung, Innovation und Wachstum – branchenübergreifend und nachhaltig: von effizienter Produktion bis zum digitalen Kundenservice, ob im Handwerksbetrieb, in der Arztpraxis oder im Technologieunternehmen.
Damit steht der Lahn-Dill-Kreis exemplarisch für das, was Gigabitförderung leisten kann, wenn kommunales Engagement und Bundesmittel zusammenwirken: Sie macht aus digitaler Infrastruktur einen echten Standortvorteil – für Unternehmen jeder Größe und Branche, und für eine Region, die ihre wirtschaftliche Zukunft selbst in die Hand nimmt.

