Glasfaser bis ans Meer – Lubmin und die Ostseeinseln bestens vernetzt
© Philipp Untiedt
Im Rahmen der Gigabitförderung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) entsteht in Lubmin und Umgebung eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie geförderter Gigabitausbau auch in anspruchsvollen Regionen gelingt – mit lokaler Verankerung, technischer Lösungskompetenz und enger Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die Besonderheit: Erstmals werden mit Ruden und Greifswalder Oie zwei unter Naturschutz stehende Ostseeinseln über eine Richtfunkverbindung digital angebunden.
Pioniergeist im Nordosten – Ein lokales Unternehmen übernimmt Verantwortung
Wer an Lubmin denkt, denkt an Hafen, Ostsee und Energie. Seit 2017 steht die Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Greifswald auch für ein Leuchtturmprojekt der Gigabitförderung: Die Antennentechnik Lubmin e.K. – ein regional verwurzeltes Unternehmen – hatte sich als Zuwendungsempfänger für den geförderten Gigabitausbau beworben und den Zuschlag erhalten.
Dass ein kleiner, lokal tätiger Netzbetreiber ein Projekt dieser Größenordnung stemmt, zeigt, wie lokale Unternehmen den digitalen Wandel in ihrer Region aktiv mitgestalten können – mit technischem Know-how, Ortskenntnis und dem unbedingten Willen, tragfähige Lösungen zu finden.
Key Facts/Steckbrief:
- Förderprogramm: Gigabitförderung – Weiße-Flecken-Förderprogramm (Wirtschaftlichkeitslückenförderung)
- Ort: Lubmin und Umgebung (inkl. Inseln Ruden und Greifswalder Oie), Landkreis Vorpommern-Greifswald, Mecklenburg-Vorpommern
- Gesamtfinanzierung: ca. 15.142.867,00 €
Gigabitförderung: ca. 9.085.720,00 €
Landesförderung: ca. 4.542.860,00 € (Land Mecklenburg-Vorpommern)
Kommunaler Eigenanteil: ca. 1.514.287,00 €
- Neue Anschlüsse: 4.894 Haushalte, 307 Unternehmen, 3 Schulen
- Erschließung: ca. 829 km Glasfaser, 397 km Leerrohr, 206 km Tiefbau
- Zuwendungsempfänger: Antennentechnik Lubmin e.K.
- Projektstatus: Teilinbetriebnahme erfolgt; Abschluss und Verwendungsnachweis in Vorbereitung
Ausbau mit messbarer Wirkung
Die Dimension des Projekts ist beachtlich. Mit einer Gesamtinvestition von rund 15,1 Millionen Euro – davon rund 9,1 Millionen Euro aus der Gigabitförderung des Bundes und rund 4,5 Millionen Euro Landesförderung von Mecklenburg-Vorpommern – entsteht eine moderne Glasfaserinfrastruktur für einen der strukturell herausforderndsten Räume im Nordosten Deutschlands.
Im Einzelnen umfasst das Projekt:
- Neue Anschlüsse: 4.894 Haushalte, 307 Unternehmen und 3 Schulen
- Netzinfrastruktur: rund 829 km Glasfaser, 397 km Leerrohr sowie 206 km Tiefbau
- Bereits versorgt: 4.143 Haushalte, 225 Unternehmen und alle drei Schulen baulich erschlossen
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet der Ausbau stabile, leistungsfähige Anschlüsse im Alltag. Die Tourismusbranche und Pensionen, Ferienwohnungen sowie Hotels vor Ort werden durch die leistungsfähige digitale Infrastruktur wirtschaftlich gestärkt, indem bessere Voraussetzungen für digitale Services und Geschäftsprozesse, Cloud-Anwendungen und mobiles Arbeiten geschaffen werden. Gerade in ländlichen Regionen wie in Lubmin kann eine verlässliche digitale Infrastruktur und ein höherer Gästekomfort zum Standortvorteil werden.
Von stabilem Datenverkehr mittels Glasfaseranschluss profitieren auch Rettungs- und Forschungseinrichtungen in der Region. Die Seenotrettungsstation der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) auf der Greifswalder Oie und eine Klimastation des Deutschen Wetterdienstes benötigen diesen, um sicher zu arbeiten und jederzeit einsatzfähig zu sein. Eine schnelle und stabile Internetverbindung unterstützt die Übertragung wichtiger Wetter-, Klima- und Einsatzdaten, erleichtert die Koordination im Alltag und stärkt damit Sicherheit, Forschung und Daseinsvorsorge vor Ort.
Für die drei angeschlossenen Schulen ist die Glasfaseranbindung ein essenzieller Baustein für zeitgemäßes Lernen und digitale Bildung.
Besondere Herausforderung: Anbindung der Ostseeinseln Ruden und Greifswalder Oie
Ein zentrales Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist die Erschließung der Ostseeinseln Ruden und Greifswalder Oie. Beide Standorte stellen aufgrund ihrer Lage besondere Anforderungen an Planung, Technik und Genehmigungsverfahren. Die Inseln liegen in ausgewiesenen Naturschutzgebieten; auf der Greifswalder Oie befindet sich eine Station der Seenotretter (DGzRS). Eine zuverlässige digitale Anbindung ist dort nicht nur Teil einer zukunftsfähigen digitalen Infrastruktur, sondern sicherheitsrelevante Infrastruktur.
Die Herausforderung lag dabei nicht allein in der Distanz zum Festland, sondern vor allem in der Kombination aus technischer Präzision und sensiblen Standortbedingungen. Für eine Richtfunkverbindung müssen geeignete Antennenstandorte gefunden werden, die eine möglichst störungsfreie Funkstrecke ermöglichen und zugleich den Anforderungen des Natur- und Gebietsschutzes gerecht werden. Auf den Inseln waren die verfügbaren Standortoptionen entsprechend begrenzt: Technische Aspekte wie Sichtverbindung, Antennenhöhe, Ausrichtung und Witterungsbeständigkeit mussten mit naturschutzfachlichen Vorgaben, Genehmigungsprozessen und der logistischen Erreichbarkeit der Standorte in Einklang gebracht werden.
Gerade diese Rahmenbedingungen machen die Anbindung von Ruden und Greifswalder Oie zu einem besonderen Beispiel für anspruchsvolle Infrastrukturplanung. Wo eine klassische Erschließung über kabelgebundene Trassen nur mit erheblichem Aufwand oder Eingriffen verbunden wäre, bietet Richtfunk eine Möglichkeit, leistungsfähige digitale Infrastruktur vergleichsweise schonend bereitzustellen. Entscheidend war dabei ein Vorgehen, das technische Machbarkeit, Schutzinteressen und die Anforderungen der Nutzer vor Ort zusammenführt.
Bereits die Standortentscheidungen für die Empfängerantennen erforderten intensive Abstimmungen mit Naturschutzbehörden, zuständigen Ämtern und weiteren Beteiligten. Herausforderungen wurden nicht als Hindernisse verstanden, sondern als lösbare Aufgaben.
„Eine zuverlässige Verbindung ist für unsere Arbeit von großer Bedeutung. Die Anbindung unserer Seenotrettungsstation Greifswalder Oie zeigt, dass digitale Infrastruktur auch dort möglich ist, wo die Bedingungen nicht alltäglich sind.“
Jan Lutz, Leiter des Rettungsdienstes, Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)
Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist die enge Zusammenarbeit zwischen Antennentechnik Lubmin e.K., der Gemeinde Lubmin, den zuständigen Landesbehörden, dem Fördermittelgeber und weiteren Partnern. Gerade bei sensiblen Standorten, naturräumlichen Besonderheiten und technisch anspruchsvollen Lösungen ist diese Abstimmung entscheidend.
„Dieses Projekt steht für das, was mit guter Planung, regionaler Verantwortung und verlässlicher Zusammenarbeit möglich ist. Gemeinsam mit unseren Partnern, insbesondere aastrix und TKI, konnten wir ein qualitativ hochwertiges und zukunftsfähiges Glasfasernetz aufbauen und bereits zahlreiche Kundenanschlüsse realisieren. Damit schaffen wir eine leistungsfähige, stabile und verlässliche Infrastruktur für die Menschen, Unternehmen, Schulen und Einrichtungen in Lubmin und Umgebung.“
Hans Sakreida, Antennentechnik Lubmin e.K.
Gigabitförderung als Hebel für strukturschwache Regionen
Das Projekt Lubmin zeigt exemplarisch die Wirkungslogik der Gigabitförderung: Dort, wo ein eigenwirtschaftlicher Ausbau für Telekommunikationsunternehmen nicht tragfähig ist – etwa aufgrund geringer Siedlungsdichte, besonderer topografischer Bedingungen oder naturschutzrechtlicher Anforderungen – schafft die Gigabitförderung die Grundlage für den Ausbau leistungsfähiger Gigabitnetze. Lubmin wurde im 1. Aufruf des Weiße-Flecken-Förderprogramms über dieses Modell gefördert.
Kurz vor der vollständigen Fertigstellung sendet das Projekt ein starkes Signal: Gigabitförderung wirkt dort, wo sie gebraucht wird. Mit Glasfaser für fast 5.000 Haushalte, über 300 Unternehmen, drei Schulen und zwei Ostseeinseln leistet das Vorhaben in Lubmin und Umgebung einen konkreten Beitrag zur digitalen Teilhabe, zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Zukunftsfähigkeit der Region.
„Für unsere Gemeinde ist der Glasfaserausbau ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Leistungsfähige digitale Infrastruktur gehört heute zur Daseinsvorsorge – für Familien, Unternehmen, Schulen und öffentliche Einrichtungen. Besonders erfreulich ist, dass dieses Projekt mit einem lokal verwurzelten Unternehmen umgesetzt wurde, das die Region kennt und nun auch für den Netzbetrieb Verantwortung vor Ort übernimmt.“
Axel Vogt Bürgermeister Lubmin
Lubmin steht damit nicht nur für Hafen und Ostsee – sondern auch für den Beweis, dass der Gigabitausbau mehr ist als Tiefbau und Glasfaser: Es geht um Daseinsvorsorge, regionale Stärke und gleichwertige Lebensverhältnisse.

